Ökobilanz mit Überraschungseffekt

Eine vergleichende Ökobilanz verschiedener Weingüter aus Deutschland, Libanon, Neuseeland und der Schweiz zeigt nun, dass die Umweltauswirkungen des Transports im Verhältnis zur Weinproduktion gering sind und die Belastungen des Weinbaus hauptsächlich von klimatischen Bedingungen abhängen.

Weine aus Übersee werden oft aus ökologischen Gründen gemieden. Der Genuss von Wein hat viel mit Tradition zu tun. Weine aus der „neuen Welt“ haben es aber noch immer schwer sich gegen traditionelle Anbaugebiete zu behaupten. Als ökologisches Argument werden zusätzlich die grossen Transportdistanzen herangezogen. Wie es sich tatsächlich mit den Weinen aus Übersee verhält, wurde nun erstmals in einer vergleichenden Ökobilanz nach ISO 14044 beurteilt, welche von der Faschhochschule Nordwestschweiz FNHW durchgeführt wurde. 

Verglichen wurden die Umweltbelastungen von je einem Weingut in Deutschland, Libanon, Neuseeland und der Schweiz. Die Weingüter sind, mit Ausnahmedesjenigen am Bielersee, Lieferanten des Weinhauses Caduff, welches den Auftrag zur Studie gegeben hat. Die Ergebnisse der Studie sind somit nicht repräsentativ, sprechen aber deutliche Worte. Es ist durchaus möglich in Libanon oder Neuseeland Weine zu produzieren und in die Schweiz zu importieren, die insgesamt deutlich geringere Umweltbelastungen verursachen als einheimischer Wein. 

CO2-Emissionen pro Weinflasche von der Herstellung bis und mit Transport zum Weinhaus Caduff.

Transportdistanzen sind kaum von Bedeutung

Weingut Clos Marguerite, Marlborough Neuseeland

In der Graphik sind repräsentativ für die Resultate der Studie die CO2-Emissionen pro Flasche Wein dargestellt. Auffallend ist, dass der Transport im Verhältnis zur Weinproduktion einen geringen Anteil der Belastungen ausmacht, selbst wenn der Wein um die halbe Welt transportiert wird. 
Die Weine aus Neuseeland werden mit dem Schiff und der Bahn in die Schweiz transportiert. Erst die letzten Kilometer werden im Lastwagen zurückgelegt. Die Weine aus Deutschland werden ausschliesslich mit dem Lastwagen transportiert. In der Studie wurde realistischerweise davon ausgegangen, dass der Winzer am Bielersee kleine Mengen mit seinem Personenwagen zum Weinhaus liefert, was zu nicht unerheblichen Emissionen führt. Es wird offensichtlich, dass nicht die Distanz entscheidend ist, sondern viel mehr das gewählte Transportmittel. 

Beachtlich sind auch die Emissionen aus der Stromproduktion im Libanon. Elektrizität wird dort beinahe ausschliesslich aus fossilen Brennstoffen erzeugt. Die Belastungen hervorgerufen aus Verpackung usw., liegen bei allen Weingütern in derselben Grössenordnung.

Das Klima ist entscheidend

Domaine de Baal, Zahlé, Bekaa Libanon

Massgebend für die ökologische Güte von Weinen ist die erforderliche mechanisierte Arbeit im Rebberg. Im Bekaa-Tal auf über 1100 m ü. M. erübrigt die Trockenheit zwischen April und Oktober den Einsatz von Fungiziden. Im regenarmen Marlborough in Neuseeland (220 mm Jahresniederschlag, 2400 Sonnenstunden) trocknen Winde die Reben zusätzlich ab (Abbildung 2). Mit einem Jahresniederschlag von 800 bis 1'200 mm und rund 1'600 Sonnenstunden erfordern am Bielersee die klimatischen Bedingungenen eine weitaus intensivere Pflege der Reben. Die jährlich 5 Sprühflüge für Fungizide durch die „Helipflanzenschutzgenossenschaft Bielersee“ erweisen sich dabei zwar als sehr treibstoffeffiziente Methode. Der Gesamtverlust an Spritzmittel ist aber mit bis zu 90% auch am höchsten.

Bio nicht immer logisch

Im Gegensatz zum konventionellen Anbau spielen Kupfer- und Schwefelpräparate im ökologischen Weinbau eine zentrale Rolle. Kupfer gilt als mässig mobiler Stoff in Böden, sein Verhalten wird jedoch weitgehend vom pH-Wert reguliert. Hohe Kupfer-konzentrationen sind toxisch für Bodenorganismen. Untersuchungen verschiedener ehemaliger und aktueller Rebbauflächen in den Kantonen Basel-Landschaft und Aargau haben Mittelwerte von 240 mg Cu/kg ergeben. Die Verordnung über Belastungen des Bodens gibt Richtwerte von 40 mg Cu/kg an. Zudem sind die für den ökologischen Landbau einsetzbaren Pflanzenschutzmittel oft weniger wirksam, was vermehrtes Spritzen zur Folge hat und die Umwelt zusätzlich belastet. 

Nachhaltiger Weinbau

Wird Nachhaltigkeit als die Konzeption einer dauerhaft zukunftsfähigen Entwicklung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Dimension menschlicher Existenz verstanden, zeigt sich erneut ein deutliches Bild. Die meisten Weinbauern in der Schweiz profitieren von Direktzahlungen. Sie erhalten Flächen-, Hang- und Ökobeiträge, zusammengerechnet bis zu 7’000 Franken pro Hektare. 20’000 bis 35’000 Franken pro Hektare gibt es für die Umstellung der weit verbreiteten Chasselas- und Müller-Thurgau-Weinen auf marktfähigere Sorten.
Auch in der EU wird der Weinbau in Milliardenhöhe subventioniert.

Aus der schieren Angst vor dem Staatsbankrott, wurden in Neuseeland 1984 Subventionen für die Landwirtschaft gestrichen. Die hohe Qualität macht die Weine aus Übersee, trotz der geringfügig höheren Transportkosten und der auferlegten Importzöllen, dank den tieferen Produktionskosten dennoch international wirtschaftsfähig.

Weine aus Übersee können weitaus weniger Umweltbelastungen hervorrufen als einheimische Weine. Die Förderung landwirtschaftlicher Produkte aus der Region hat somit mehr den Charakter der Erhaltung von Traditionen und der Stärkung der lokalen Wirtschaft, dies aber mit ökologischen und ökonomischen Konsequenzen.